Trekking mit Hund: Alta Via Val di Susa
Trekking auf der Alta Via Valle di Susa

Trekking mit Hund: Alta Via Val di Susa

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Die Alta Via Val di Susa ist ein 100 Kilometer langer hochalpiner Höhenweg, der Bardonecchia im oberen Susatal mit dem Colle del Lys im unteren Susatal verbindet. Der höchste Punkt ist der Passo Galambra (3078 m), am Col de Clapier wandelt man auf Hannibals Spuren nach Frankreich. Von den Cottischen Alpen über das Mont-Cenis-Plateau mit gleichnamigen Stausee geht es weiter in die Grajischen Alpen zum höchsten Wallfahrtsort der Alpen: der Rocciamelone. Dies ist ein kurzer Tourenbericht zu dem ersten Teil der Alta Via Val di Susa bis zum Col de Clapier. Aufgrund von einer kleinen Verletzung meines Hundes stieg ich eher ins Tal ab.

Hoch hinauf zum Passo Galambra
Hoch hinauf zum Passo Galambra

Von Bardonecchia aus führt die Via Alta Val di Susa hinauf in ein Hochtal vorbei an Viehherden und schwanzwedelnden, neugierigen Hirtenhunden. Ich bin wie immer mit Zelt unterwegs – frei und unabhängig kann ich die Etappenunterkünfte passieren und in einer wundervollen Bergwildnis mein Nachtlager aufschlagen. Der Pfad führt zäh, aber gemächlich hinauf zum Passo Galambra auf fast 3100 m.

Auf dem Passo Galambra
Auf dem Passo Galambra

EIn traumhaftes Hochtal mit so einer bunten Bergblumenvielfalt, ein Summen und Brummen, Murmeltiergefiepe und dann eine karge Mondlandschaft mit Altschneefeldern. Der Blick geht zum Horizont – verschneite Bergriesen und nirgendwo eine Menschenseele. Erneut weine ich vor Glück und auch vor Wut, dass die Menschen die Schönheit unserer Erde nicht erkennen und bewahren.

Über den Wolken des Susatals
Über den Wolken des Susatals

Schon am Pass erspähe ich diese rote Biwakschachtel direkt oberhalb der Abbruchkante zum Susatal – jippie, mein Reich für heute Abend und die Nacht! Unzählige Steinböcke schauen mich überrascht an: Und wer bist du? Mexx zieht an der Leine um sich sein Abendbrot zu jagen – da ergreifen sie schnell die Flucht und schauen einen Felsabsatz niedriger neugierig zu uns hinauf.

Sonnenaufgang am Biwak, Rocciamelone links im Bild
Sonnenaufgang am Biwak, Rocciamelone links im Bild

Tagebucheintrag von Montag, 27. Juli 2020:

Vom Sturm gepeitscht stehe ich zitternd im Dunkeln vor dem fest verankerten Biwak auf 3000 m. Mein Blick geht links zur 3500 m hohen Rocciamelone, nach unten tief in das Lichtermeer des Susatals und nach oben – ganz lange verweilt er da: Abertausende an Sternen blitzen in der kalten und klaren Nacht, die Milchstraße als matt weißes Band über meinem Kopf. Ganz still stehe ich… und staune. Dankbar für meine kleine Einsamkeit im großen Nichts des Universums.

Zweiter Pass - endlich geschafft!
Zweiter Pass - endlich geschafft!

Ein langer Abstieg ins Tal und wieder hinauf auf den nächsten schweißtreibenden Pass. Zum Glück fand Mexx oben ein paar Schneefelder zum Wälzen und einen See mit Kühen ringsherum. Ein kurzer heftiger Hagelschauer bot uns Erfrischung von oben, als es höhehaltend weiter Richtung Frankreich ging.

Einsame Pfade - Alta Via Val di Susa
Einsame Pfade - Alta Via Val di Susa

Tagebucheintrag von Dienstag, 28. Juli 2020:

Ich sitze in einer alten Militäranlage auf 2600 m, die nach zwei Seiten offen und deren Boden überwiegend mit Rinderdung bedeckt ist. Vor mir ragt eine hohe Felswand empor. Meine Sachen sind schon alle ausgebreitet, Schuhe ausgezogen. Nach der vorigen Nacht in einem Biwak (ich bin voller roter juckender Punkte – da hat was in der Matratze gelebt 😉) auf knapp 3000 m (fantastisch aber stürmisch!) und einem grandiosen Bergtag auf der Via Alta Val di Susa genieße ich die Sonne und Wärme beim Abendessen. Doch plötzlich wird der Himmel schwarz, heftiger Platzregen und Sturm setzt ein. Alle meine Habseligkeiten sind innerhalb von Sekunden durchnässt und der Sturm reißt wie in einem Windkanal alles fort, was nicht niet- und nagelfest ist. In klitschenassen Socken renne ich durch die Kuhfladen und fange meine Heiligtümer wieder ein. Alles ist gut… murmele ich mir zur Beruhigung zu und verfrachte mein Zeug mitsamt Hund in einen zwanzig Meter entfernten Raum mit nur einer offenen, windabgewandten Seite. Dann liege ich zitternd im nassen Daunenschlafsack, ich habe alles an auch die Regensachen. Irgendwann wird es warm… Und ich bin froh über meine Investition in einen Schlafsack mit hydrophoben Daunen. Morgen scheint die Sonne wieder, denke ich noch vorm Einschlafen.

Lac de Savine - hier rastete Hannibal mit seinen Elefanten 217 v.Chr.
Lac de Savine - hier rastete Hannibal mit seinen Elefanten 217 v.Chr.

Am nächsten Tag am Col de Clapier bemerkte ich, dass Mexx seine rechte Hinterpfote schont. Ich schulterte sein Gepäck zusätzlich zu meiner Last und wählte den kürzesten und leider auch steilsten Abstieg hinab ins Susatal. Einen kompletten Ruhetag an einem Bergbach später sprang er wieder umher wie ein junges Reh. Eigentlich war der Plan auf die GTA zurückzukehren, nachdem ein Freund zu mir gestoßen wäre in zwei Tagen. Jedoch hatte ich Sorge, was wäre, wenn Mexx auf der GTA hinken würde – in der hintersten Bergpampa ohne Tierarzt und öffentliche Verkehrsmittel? Die vor uns liegenden Etappen wären sehr hart gewesen… ich kippte die Entscheidung weiterzutrekken Mexx zu liebe, stattdessen fuhren wir zum Klettern ans Meer nach Finale Ligure. Ich denke, es gibt schlimmere Entscheidungen. 😉

Morgenstimmung in der Bergeinsamkeit
Morgenstimmung in der Bergeinsamkeit

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